Zum Inhalt springen

Jahresempfang :Zusammen geht was

Jahresempfang der katholischen Wohlfahrtsverbände Köln

"Wir müssen weniger über Geld und mehr über Menschen sprechen.“ Mit dieser Botschaft haben die katholischen Wohlfahrtsverbände Köln beim gemeinsamen Jahresempfang am 19. Juni für verlässliche Rahmenbedingungen für soziale Angebote geworben. Unter dem Motto „Zusammen geht was“ forderten Caritas Köln, IN VIA Köln, KJA Köln, Malteser Köln, SkF Köln und SKM Köln einen gemeinsamen gesellschaftlichen Dialog darüber, wie Zusammenhalt und Teilhabe in Köln gestaltet werden sollen. 

„‘Zusammen geht was‘ steht für unsere Überzeugung, dass wir die sozialen Herausforderungen in Köln nur gemeinsam lösen können“, erklärte Jens Röskens, Vorstand des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) Köln. „Wir unterstützen als katholische Wohlfahrtsverbände mit mehr als 5.400 Mitarbeitenden, über 3.300 ehrenamtlich Engagierten in über 400 Diensten und Einrichtungen mehr als 200.000 Menschen in Köln. ‚Zusammen geht was‘ bedeutet mehr als die Summe unserer Hilfsangebote: Es bedeutet, Verantwortung füreinander zu übernehmen, Teilhabe zu ermöglichen und soziale Infrastruktur dauerhaft zu sichern. Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spannungen, steigender sozialer Ungleichheit und knapper öffentlicher Ressourcen ist das ein unverzichtbarer Baustein unserer Gesellschaft. Dafür brauchen wir verlässliche Partnerschaften und gemeinsames Handeln.“ 

Die Verbände verbinden mit ihrem Motto deshalb auch einen Appell an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Kommune, Land und Bund. „Soziale Infrastruktur ist kein freiwilliger Luxus, sondern eine unverzichtbare Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Stabilität und gleiche Chancen für alle Menschen.“ 

In seiner Rede rückte Röskens die Lebensrealität vieler Menschen in Köln in den Mittelpunkt. Er verwies auf die Herausforderungen, die sich in zahlreichen sozialen Bereichen zeigen: fehlende Pflegeplätze, zunehmende psychische Belastungen junger Menschen, die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wohnungsmangel sowie die wachsende Einsamkeit vieler Menschen. Die soziale Frage dürfe nicht allein unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet werden. „Wir reden zu oft über Geld und zu selten über Menschen“, so Röskens. 

Zugleich warb er für einen Perspektivwechsel im Umgang mit sozialen Leistungen. Präventive Hilfen seien keine freiwilligen Zusatzangebote, sondern wirksame Investitionen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt und einen handlungsfähigen Staat. „Soziale Infrastruktur lässt sich nicht im Krisenmodus steuern. Sie braucht Planung, Kontinuität und einen klaren politischen Willen – am Menschen orientiert, präventiv, verlässlich und partnerschaftlich“, betonte Röskens. 

Vor dem Hintergrund angespannter kommunaler Haushalte appellierte er an eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und freier Wohlfahrtspflege: „In Zeiten angespannter kommunaler Haushalte kommt es auf funktionierende Partnerschaften zwischen Politik, Verwaltung und freier Wohlfahrtspflege an.“ Darüber hinaus warb Röskens für einen gesamtgesellschaftlichen Verständigungsprozess über die Zukunft der Stadt. Angesichts knapper werdender Ressourcen brauche Köln den Mut, über einzelne Zuständigkeiten und Ressortgrenzen hinauszudenken und gemeinsame Ziele zu definieren. „Wir brauchen eine gemeinsame Vision für Köln. Eine Vision, die beschreibt, wie wir künftig zusammenleben wollen, wie Teilhabe für alle Menschen ermöglicht werden kann und wie sozialer Zusammenhalt auch unter schwierigen Bedingungen verlässlich organisiert wird.“ 

Als Beispiel für die Notwendigkeit eines solchen gemeinsamen Handelns nannte Röskens die aktuelle Debatte um die Suchthilfe in Köln. Das geplante Suchthilfezentrum sei ein wichtiger Schritt, könne aber nur Teil einer umfassenden Weiterentwicklung der städtischen Suchthilfestruktur sein. Notwendig seien langfristige Lösungen, die Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe und soziale Unterstützung stärker miteinander verzahnen. 

Im Rahmen des Jahresempfangs wurde die Vielschichtigkeit des Mottos auch künstlerisch sichtbar. Jugendliche aus der Sozialen Kulturarbeit von IN VIA Köln gestalteten Schuhabdrücke, welche Begriffe und Werte festhalten, die sie mit dem Unterwegssein im Leben und mit Gemeinschaft verbinden. Die Installation wird dauerhaft im Garten der Religionen von IN VIA ausgestellt. 

Der Jahresempfang machte deutlich: „Zusammen geht was“ ist nicht nur ein Motto für einen Tag. Es ist ein Auftrag an Politik, Verwaltung, Wohlfahrtsverbände und Stadtgesellschaft, gemeinsam an einem solidarischen, vielfältigen und lebenswerten Köln zu arbeiten.  

Mit den von Jugendlichen gestalteten Beton-Schuhabdrücken setzten die Vorstände der Kölner Wohlfahrtsverbände ein sichtbares Zeichen für das Motto „Zusammen geht was“. Die Kunstwerke symbolisieren, wie ein soziales Köln gestaltet werden kann und wie Politik, Verwaltung, Wohlfahrtsverbände und Stadtgesellschaft gemeinsam daran arbeiten können, v.l.: Ute Theisen (Vorstandsvorsitzende SkF Köln), Elisabeth Quiske (Vorstandsvorsitzende des SKM Köln), Markus Peters (Vorstandssprecher des Caritasverbandes für die Stadt Köln), Bürgermeisterin Teresa De Bellis-Olinger, Jens Röskens (Vorstand des SKM Köln), Stadtdechant Monsignore Robert Kleine, Dr. Lukas Preußler (Stadtbeauftragter Malteser Hilfsdienst Köln),  Andrea Redding (Vorstandssprecherin von IN VIA Köln), Bernd Rustemeyer (Geschäftsführer der KJA Köln gGmbH). 

Erläuterungen zu den Schuhabdrücken „Zusammen geht was“  

In der Sozialen Kulturarbeit von IN VIA Köln arbeiten junge Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte sowie besonderem Förderbedarf kreativ zusammen und erwerben über das gemeinsame Gestalten wichtige persönliche und lebenspraktische Kompetenzen. In einem Projekt haben sie das Motto „Zusammen geht was“ und das Unterwegssein im Leben sichtbar gemacht. Entstanden sind Schuhabdrücke aus Beton – gestaltet mit Begriffen und Gedanken, die den Jugendlichen wichtig sind.  

IN VIA: „Ankommen“ 

Bei IN VIA Köln setzen sich rund 900 Mitarbeitende und 160 Ehrenamtliche täglich dafür ein, dass Menschen ankommen. IN VIA begleitet, berät und unterstützt Kinder, Jugendliche oder Erwachsene auf dem Weg in ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben. Mit den vielfältigen Bildungs-, Teilhabe- und Inklusionsangeboten schafft IN VIA Köln Perspektiven in Schule, Ausbildung und Beruf. 

Das Thema „Ankommen“ prägt auch die Arbeit von IN VIA am Kölner Hauptbahnhof. Seit vielen Jahrzehnten ist IN VIA mit der Bahnhofsmission, gemeinsam betrieben mit der Diakonie Köln, sowie mit der Radstation aktiv. Neu hinzugekommen ist das „Bike mit Herz“, das kostenfrei für gemeinnützige Aktionen im Bahnhofsumfeld zur Verfügung steht und Menschen zusammenbringen soll. „Ankommen bedeutet für uns weit mehr als das Erreichen eines Zielorts – es bedeutet, Unterstützung anzunehmen, Chancen wahrzunehmen und im Leben seinen ganz eigenen Platz zu finden“, erläutert Andrea Redding, Vorstandssprecherin von IN VIA Köln. 

SKM Köln: „Zusammen groß“ 

Der SKM Köln unterstreicht seine Haltung mit den Worten „wir sind zusammen groß“. Diese beschreiben den Anspruch, Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht allein zu lassen, sondern ihnen durch Gemeinschaft und Unterstützung neue Perspektiven zu eröffnen. „Gerade dort, wo Menschen von Armut, Sucht oder Wohnungslosigkeit betroffen sind, wird deutlich, wie wichtig Zusammenhalt ist“, sagt die Vorstandsvorsitzende des SKM, Elisabeth Quiske. „Wir schaffen Räume, in denen Menschen gesehen werden und neue Perspektiven entstehen können.“ Zusammen groß zu sein bedeutet, Verantwortung zu teilen – professionell, menschlich und in enger Zusammenarbeit mit vielen Partner*innen. Mit Angeboten begleitet der SKM Menschen auf diesem Weg und stärkt ihre Teilhabechancen.  

Wer in Köln nur über Haushaltslöcher spricht, verfehlt die eigentliche soziale Frage: Wie geht es den Menschen in dieser Stadt? Soziale Infrastruktur und präventive Hilfen sind kein Luxus, sondern die Voraussetzung für Teilhabe, Stabilität und demokratischen Zusammenhalt – und wer hier kürzt, zahlt morgen doppelt. „Damit wir Menschen neue Perspektiven eröffnen können, braucht es Mut und das gegenseitige Vertrauen, dass wir soziale Verantwortung nur gemeinsam tragen können“, so Quiske. 

SkF Köln: „ein Ziel haben“ 

Dieser Schuhabdruck „hat ein Ziel“. „Wenn wir die Aussage ‚Zusammen geht was‘ ernst nehmen, bedeutet das konkrete Solidarität mit den Schwächsten unserer Gesellschaft – nicht nur in Worten, sondern durch praktisches Handeln“, erklärt Ute Theisen, Vorstandsvorsitzende des SkF Köln. Auch nach 30 Jahren, in denen die Notschlafstelle Comeback, das Café Auszeit und die aufsuchende Hilfe für obdachlose Frauen „Respekt“ bestehen, steigen die Zahlen wohnungs- und obdachloser Frauen weiter an. „Sie gehören zu den Schwächsten in der Gesellschaft. Auf der Straße sind sie Gewalt ausgesetzt und noch stärker von gesellschaftlicher Stigmatisierung betroffen als Männer, insbesondere wenn sie auffällig sind. Jede von Ihnen ist Bürgerin unserer Stadt und hat Ziele: einen sicheren Schlafpatz und eine gute Versorgung, aber auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Platz im öffentlichen Raum oder sogar eine Wohnung. Wir müssen also Angebote wie das Comeback aufrechterhalten, um diese Ziele erreichbar zu machen: durch Absicherung des Hilfesystems insbesondere für wohnungslose, obdachlose und gewaltbetroffene Frauen, Verbesserung ihrer Lebensbedingungen oder Wohnungsbau“, so Theisen. 

KJA Köln: „Freie Welt“ 

„Dieser Schuhabdruck steht für eine freie Welt. Sie entsteht nicht von selbst, sondern dort, wo Menschen zusammenstehen. Diese freie Welt wächst, wenn wir jungen Menschen Chancen eröffnen und Räume schaffen, in denen Demokratie erlebbar wird”, erläutert Bernd Rustemeyer, Geschäftsführer der KJA. „Demokratiebildung lebt vom Miteinander. Als Trägerin der Kinder- und Jugendhilfe stärkt die KJA Köln mit ihren 680 Mitarbeitenden junge Menschen mit werteorientierter Sozialpädagogik und gibt ihnen verlässliche Perspektiven.“ 

Mit ihren Angeboten eröffnet die KJA Köln jungen Menschen früh Zugänge zu Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe. An den 104 Standorten erwerben Kinder und junge Menschen im Alter von sechs bis 27 Jahren soziale Kompetenzen, bringen sich ein, übernehmen Verantwortung und erleben Vielfalt und Inklusion im Alltag. 

Malteser: „gesund sein“ 

Der Schuhabdruck der Malteser steht für „gesund sein“. Dr. Lukas Preußler, Stadtbeauftragter der Malteser in Köln, verweist damit auf die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung als Beispiel für das diesjährige Motto „Zusammen geht was“. „Seit über 20 Jahren bieten wir mit einer eigenen Praxis all jenen, die durch das Raster fallen, eine niederschwellige und auf Wunsch anonyme Möglichkeit, ärztliche Hilfe zu erlangen. Über 2.400 Behandlungen im Jahr, vom Zahnarzt bis zum Herzspezialisten, ehrenamtlich getragen und spendenfinanziert.“  

Mit 24 Diensten und Einrichtungen, 255 Mitarbeitenden und 600 Ehrenamtlichen unterstützen die Malteser in Köln rund 50.000 Menschen pro Jahr besonders auch mit den Angeboten im Bereich des ‚Sozialen Ehrenamtes‘. So steht der Schuhabdruck „gesund sein“ beispielhaft für das Selbstverständnis der Malteser, Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen konkret, niedrigschwellig und verlässlich zu helfen.  

Caritas Köln: „ein*e gute*n Freund*in suchen“ 

Für die Caritas Köln steckt hinter dem Wunsch „ein*e gute*n Freund*in suchen“ ein Thema, das viele Menschen bewegt: Einsamkeit. „Einsamkeit betrifft Menschen jeden Alters und zählt zu den drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb haben wir unser Jubiläumsjahr ‚111 Jahre Caritas Köln‘ unter das Motto ‚Gemeinsam, nit einsam‘ gestellt“, erläutert Markus Peters, Vorstandssprecher der Caritas Köln. 

„Rund 2.300 Mitarbeitende und 1.600 Ehrenamtliche engagieren sich bei der Caritas Köln täglich dafür, dass Menschen nicht allein bleiben. Sie schenken Zeit, Aufmerksamkeit und echte Begegnung – in der Pflege, in Jugendzentren, Beratungsstellen und vielen weiteren Angeboten. Gerade die Ehrenamtlichen – wie beispielsweise bei den Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen – sind ein unverzichtbarer Baustein. All das verbindet Menschen, so dass nicht selten aus dem ‚Freund suchen“ ein „Finden“ wird. Solche Beziehungen stärken nicht nur die mentale und körperliche Gesundheit. Sie fördern auch Vertrauen, Verständnis und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein – wichtige Grundlagen für eine starke Demokratie“, so Peters.