Soziales Netz?!

75 Mitarbeitende sprachen und diskutierten über Soziale Medien im Berufsalltag.

Die Welt ist mal wieder mächtig in Bewegung - online wie offline, politisch und technologisch. Und dabei war früher doch alles klarer – und besser sowieso. Oder nicht?

Unsere Mitarbeitenden trifft es wie üblich besonders hart: Sie müssen sich durch den Dschungel der neuen Realitäten und Begrifflichkeiten kämpfen, um mit Kindern und Jugendlichen von heute Schritt zu halten. Facebook, Cyber-Mobbing, Netflix, Snapchat, Ego-Shooter, Hate-Speech, WhatsApp, Instagram, Sexting, Generation Y – alles “Virtual Reality” oder doch “Fake-News”?

In den Schulen, Einrichtungen und Beratungsstellen gehört all dies zum Alltag – bei Pädagoginnen und Pädagogen wie Klientinnen und Klientinnen. Aber was verbirgt sich wirklich dahinter? Welche Risiken und Chancen bergen die sozialen Netzwerke? Wie gehen wir damit um? Diesen Themen widmete sich der diesjährige Praxistag, der bereits vielfach mit Spannung erwartet wurde.

Streitbare aber gute Keynotes

Zwei perspektivisch und inhaltlich unterschiedliche Keynotes brachten erstes Licht ins Dunkel, eröffneten neue Welten und regten zum weiteren Nachdenken an. RTL West-Chefredakteur Jörg Zajonc läutete das postfaktische Zeitalter ein: Was sind Fake-News? Gibt es „die Wahrheit“ überhaupt? Hat Donald Trump nicht doch ein bisschen Recht? Sind die Rechten immer radikal und die Linken immer liberal? Sind Nachrichten in der Zeitung immer richtig und Facebook-News immer fake? Die Wahrheit ist ernüchternd: Die Welt ist nicht einfach – und ist es wohl auch nie gewesen. Unser Auftrag ist klar:  Seid wachsam – informiert euch gründlich – bildet die eigene Meinung. Getreu Zajoncs Motto: „Wer zu schnell glaubt, ist weniger klug!“

Online-Therapeut Benjamin Wockenfuß entführte uns in seinem Vortrag und seinem Workshop in die Welt der sozialen Netzwerke, Online-Welten und Apps – und gab dabei Einblicke in den Arbeitsalltag von Morgen. Er stellte fest, dass der moderne Jugendarbeiter seinen Klienten auch online präsent sein sollte; dass Ego-Shooter in norwegischen Schulen zum Team-Building eingesetzt werden und grundsätzlich nicht zu Amokläufen führen; dass WhatsApp erheblich zur Vereinfachung des Arbeitsalltages beitragen kann; dass Stundenbegrenzungen für Jugendliche im Internet nicht per se sinnvoll sind; und dass bei Erwachsenen das Smartphone nicht mehr wegzudenken ist.  Seine Botschaften: Keine Angst vor Neuem! Erst selbst ausprobieren, dann urteilen! Die eigene Medienaffinität und -kompetenz stets reflektiert betrachten! Eintauchen in die Welt der Jugend! Denn: Die „Jugend von heute“ war immer schon ein bisschen komisch und wird es wohl auch künftig bleiben.

Viel gelernt

In den Workshop-Phasen konnten sich die Kolleginnen und Kollegen intensiv mit den hochaktuellen Themen der Expertinnen und Experten auseinandersetzen. Lea Hößl von der OT Nonni brachte ihrem Teilnehmerkreis näher, wie man die Jugend mit Begeisterung fit für die Cyberwelt macht. Elena Beerhenke von der Polizei vermittelte Sicherheit im rechtlichen Umgang mit den Gefahren des Netzes. Sebastian Reddig (RTL West) kannte viele wertvolle Tipps für die Nutzung von Medien und dem Erkennen von möglichen Fake-News. Der Medienwolf (Heiko Wolf) beleuchtete die Unterschiede zwischen Cyber-Mobbing und Hate-Speech und vermittelte Souveränität im Umgang mit diesen schwierigen Phänomenen. Felix Neumann (katholisch.de) blickte auf die Welt der Social Communities und welcher Einstellungen es von den Profis dazu bedarf. Wer wissen wollte, wie die Jugend tickt, der besuchte die Vorstellung der JIM-Studie von Markus Sindermann (Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW).

Die Resonanz auf den Fachtag war äußerst positiv. Realitäten und Begrifflichkeiten wurden neu durchleuchtet, entdeckt und reflektiert. Unsere Mitarbeiterschaft ist auf dem Weg durch den Dschungel mächtig in Bewegung geraten. Das Ziel: Gutes verlässlich tun – online wie offline.

 

Ein Bericht von Dennis Weitemeier (Kinder- und Jugendeinrichtung AREA51)

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